Armin Hohenadler

Ironman/Ultraläufer

Archive for Mai, 2011

Transvulcania

Posted by armin on 1st Mai 2011

Extremlauf Transvulcania über die Vulkane der Insel La Palma
 

Am 7. Mai findet die dritte Auflage des Extremrennens über das Dach der Insel La Palma statt: 83,3 Kilometer weit, und 8.525 Höhenmeter, wovon es 4.415 Meter bergauf und 4.110 Meter bergab geht. Alles über Stock und Stein, und wer die Strapazen aushält, der kommt als gefeierter Held schließlich in Los Llanos an. Höchster Punkt des Rennen ist Roque de los Muchachos auf 2.426 Meter. Dann geht es bergab, am nördlichen Grat der Caldera de Taburiente, über Torre del Time hinunter, bis nach Puerto de Tazacorte, wo es nur noch ein paar Kilometer bis zum Ziel (Los Llanos) sind.
 

Ich habe das Glück, dass ich mit dem „Trailrunning Team Salomon“ hier starten darf, auch wenn das Rennen etwas zu früh für meinen Trainingszustand ist. Durch meinen Hausbau hatte ich nur wenige Läufe in den Bergen.
 

Anreise
Am Donnerstag den 05.05.2011 beginnt die fast endlose Reise nach La Palma. 6:40 Uhr morgens nimmt mich mein Nachbar Frank mit zum Flughafen München. Hier warte ich erst mal 2 Stunden, bis die anderen aus dem Team eintrudeln, dann checken wir ein. 1. Flug geht dann verspätet ca.13 Uhr nach Madrid, von da nach Teneriffa, danach wieder verspätet nach La Palma. Hier noch knapp eine Stunde zum Hotel, wo wir dann pünktlich zum Ende des Abendbüffets gegen 22 Uhr ankommen.
 

Vorbereitung
Am Freitag morgen noch ein kleiner Lauf, Frühstück und am Nachmittag ist bereits die Busfahrt zum Zielort Los Llanos zur Startnummernausgabe und Wettkampfbesprechung. Spätestens jetzt wird uns allen klar, dass hier auf La Palma die Uhren anders ticken und alles etwas verzögert ist. Hoffentlich ist der Start morgen pünktlich! Gegen 21:30 Uhr kommen wir zurück zum Hotel. Jetzt noch schnell essen, die Ausrüstung/Verpflegung fürs Rennen fertig machen. Es ist Mitternacht bis ich zum Schlafen komme.
 

Raceday
Der Wecker läutet, ab 3:30 Uhr gibt es Frühstück, dann alles Nötige einpacken und viertel vor fünf fährt der Bus zum Start am Leuchtturm im Fuencaliente. Als wir ankommen, sind schon viele Teilnehmer im Startbereich. Ich finde einen guten Startplatz in der ersten Reihe außen. Um 6 Uhr fällt endlich der Startschuss, es geht raus in die Finsternis, das Tempo ist sehr hoch, da natürlich keiner in den Stau kommen möchte, wenn es nach ca. 500m in einen schmalen Trail geht. Meine Waden brennen, der Sprint mit fast kalten Muskeln ist nicht grad optimal. Es bildet sich eine ewige Lichterschlange hinter mir, sieht irre aus! Ich finde langsam meinen Rhythmus, die erste Verpflegung laufe ich durch, und so kämpfe ich mich den stetigen Anstieg über die 18 km und 1920 Hm nach Las Deseadas. Es ist bereits hell, und endlich geht’s mal einen schönen Trail abwärts. Dann noch mal ein Stück hoch und dann runter zum Ziel des Halbmarathon Refugio El Pilar (1456 Hm) bei km 26,8. Macht super Spaß hier runter und ich überhole einige Teilnehmer. Die Stimmung unten ist toll, ich laufe hinter dem Halbmarathonziel zur Verpflegung. Als ich mir gerade was nehme, packt einer meinen Arm und schnallt mir ein GPS Ortungsgerät um das Handgelenk; dies kenne ich vom Marathon des Sables, damit kann man die Position im Rennen verfolgen. Ich wundere mich, denn das Gerät bekommen eigentlich nur die Führenden. Ich frage meinen Teampartner Uli, der meint die Top10 bekommen das. Kann ich mir aber nicht vorstellen, dies zu schaffen, aber es motiviert mich. Nachdem es erst paar km nach unten geht, kommt wieder ein langer Anstieg auf Pico de la Nieve (km 43) auf 2232m Höhe. Auf dem Teilabschnitt überholt mich Marco Olmo und ein paar andere. Ich bewege mich an der maximalen Leistung meiner anaeroben Schwelle und merke natürlich die Höhe, die ich nicht wirklich gewohnt bin. Endlich geht’s ein Stück runter, ich erhole mich etwas und ziehe wieder an Marco vorbei. So, es kommt der letzte längere Anstieg am Vulcan, wieder über teils felsige Trails zum Pico de la Cruz (47,5 km) auf 2351 Höhe. Die Sonne brennt, ich bin über den Wolken, das Meer ist nicht mehr zu sehen, aber dafür in der Ferne der Teide auf Teneriffa, der aus dem Wolkenmeer herausragt. Die Landschaft hier ist echt der Hammer! Ich quäle mich weiter, überhole paar Läufer, die wohl zu schnell losgelaufen sind und nun Tribut zahlen müssen. Der höchste Punkt der Strecke (Roque de Los Muchachos ) mit 2426m bei km 57,8 kommt immer näher, ich motiviere mich damit, dass es ja dann erst mal vorwiegend bergab geht. Endlich erreiche ich die Gipfelverpflegung, im Zelt liegt ein Teilnehmer, ich verpflege mich und als ich weiterlaufe, kommt der Mann hinterher. Bin schnell unterwegs, aber ich merke bereits, dass die Beine nicht mehr sonderlich kräftig sind. Die ersten knapp 1300 Hm Abstieg zur Verpflegung nach Torreta Forestal El Time (1156m / 71km) gehen noch ganz gut. Aber der 2. Teil ganz runter zum Meer nach Puerto de Tazacorte (4m / 77km) ist die Hölle! Muss paarmal kurz halten, die Beine brennen wie Feuer. Die letzten 500 Hm nur noch Steinplatten, sehe unten die Verpflegung , die Trailrunner vor mir passieren diese gerade und die Zuschauer toben. Ich kämpfe weiter, komm an, überschütte mich mit kaltem Wasser, um wieder frisch zu werden, nehme mir noch Cola/Wasser in den Flaschen mit und weiter geht es. Mein GPS zeigt mir noch knapp 20 km an, ich laufe mit ca. 10 km/h die leicht ansteigende Straße hoch, der Puls rast, die Beine sind platt. Ich gehe paar Meter zum Lockern und laufe wieder. Endlich kommt die Abzweigung rechts durch die Bananenplantagen und dann die letzten gut 300 Höhenmeter! Steige langsam den Berg hoch, 2 Teilnehmer kommen an mir vorbei, kann nicht mithalten, wenn ich dran denke, dass ich noch 15 km laufen soll. Komme oben bei der Straße an. Mir ist schlecht, bekomme nichts Süßes mehr runter, brauche Wasser! Es kommt einer auf einem Polizeimotorrad zu mir heran, ich frage nach der nächsten Verpflegung und Wasser. Er fährt los und kommt mit Wasser zurück und sagt, es wäre noch 1km. Ich denke natürlich, er meint bis zur Verpflegung, denn ich hab nach meinem GPS immer noch 13 km zu rennen. Wieder passiert mich ein Teilnehmer, ich laufe wieder und sehe vor mir ein paar Bögen über die Straße, Leute schreien. Hm? Denke, ist eben die Verpflegung usw.  , aber als ich dann um die Ecke biege, den roten Teppich sehe, bin ich am Zieleinlauf!!! Ich kann es nicht glauben, bin total baff und laufe glücklich durchs Ziel. Ich spreche mit einem der Veranstalter, der mir erklärt, dass es auf der Strecke zu Satellitenempfangsproblemen kommt und es bei ihm genauso ist, wenn er die Runde abläuft. OK! Ich ärgere mich über mich selbst, da ich mir nicht alle Angaben der Checkpoints gemerkt habe und mich zu sehr auf meine Anzeige verlassen habe und so natürlich 3 Plätze und viel Zeit verschenkt habe. Bin aber happy, zieh mich aus, setze mich in den Pool mit Eiswasser, wasche meine Beine und gehe zur Massage. Das tut gut!! Als ich später dann auf die Ergebnisliste schaue, bin ich auf dem 16. Gesamtrang mit einer Zeit von 9:20. Meine Teamkollegen kommen auch alle gut durch und wir sitzen noch bis spät abends an der Zielgeraden. Dann noch die Siegerehrung, kommen auf den 2. Teamplatz, super! Nach Mitternacht erreichen wir dann unser Hotel, feiern noch etwas, aber die Müdigkeit kommt, ich will endlich schlafen! Am nächsten Tag beginnt um halb eins mittags die Rückreise, leider wieder mit einigen Verspätungen. Ich komme um 1 Uhr morgens daheim an.
 

Der Transvulcania ist ein super Rennen, mit landschaftlich irrer Kulisse und schönen Trails. Aber ich kann nur empfehlen, hier nur mit gutem Bergtraining zu starten.

TRANSVULCANIA

Ergebnisse

 

Aufnahme4.jpgTransvulcania Start.jpg

 

Transvulcania Aufstieg k.jpgTransvulcania Lauf Teide.jpg

Transvulcania Ziel.JPGTransvulcania Team Salomon.jpg

 

 

 

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