Armin Hohenadler

Ironman/Ultraläufer

Transalpine Run

Posted by armin on September 12th, 2010

„Vom Podium zum Aus“ Transalpine – Run  2010         (305 km/13500 Höhenmeter)


 Am Samstag den 04.09.2010 war es endlich soweit, der Start zu meinem dritten Transalpine-Run! Nach langem Hin und Her, wer mit wem usw., ging ich mit Alois Klauser als Team „de Bergener Hochfelln Gams´n “ an den Start. Obwohl wir vorher nie zusammen gelaufen sind, hatte ich ein gutes Gefühl. Und als zukünftiger Bergener passt auch der Team-Name gut.
Wir trafen uns bereits am Freitag zur Pasta-Party und zum Briefing in Ruhpolding.
Begleitet wurde ich in dieser Woche von meinem Sohn Luis und meinem Freund Armin, der mich auch bei den Ultra-Rennen betreut. Wir würden die Woche zusammen im Wohnmobil verbringen, so habe ich am wenigsten Stress.
4. September: 1. Etappe Ruhpolding (GER) – St.Ulrich/Pillersee (AUT)                                (36 km, 1223 Höhenmeter)
Pünktlich um 11 Uhr wird von Fritz Fischer der sechste GORE-TEX® TRANSALPINE-RUN gestartet. So viele Teams wie in diesem Jahr, waren es noch nie, denn es sind um die 280, also so ca. 560 Runner! Leider regnet es, aber nach den ersten zehn Kilometern hört der Regen auf und das Wetter wird besser. Alois und ich sind im vorderen Drittel des Feldes und kommen gut voran, so dass wir schnell am „Staubfall“ sind. Hier hoch zum Heutaler Hof, über Winkelmoosalm zum höchsten Punkt, der Kammerköhralm mit 1580 Hm und dann den steilen Abstieg unter der Bahn nach Waidring runter. Die gut 1200 Hm bergab ziehen ganz schön rein! Noch 7 km und ein kurzer Anstieg! Wir erreichen schließlich nach 3:49 als 13. Master Team das Ziel. Ab 18 Uhr ist, wie an den kommenden Tagen auch, Pasta-Party mit anschließender Siegerehrung, Briefing und Bilder, sowie Video des Tages.
5. September: 2. Etappe St.Ulrich/Pillersee (AUT) – Kitzbühel (AUT)                                    (33 km, 1900 Höhenmeter)
Heute ist bereits ab 8 Uhr der Start für die Top 50. Wir starten 5 Minuten später in Block B; dies soll verhindern, dass es zum Stau am ersten Single Trail kommt, der kurz nach dem Start auf den Kirchberg (1678m) führt. Wir sind flott unterwegs, so sind wir bald oben und es geht über den Adlerspoint wieder abwärts ins Tal zur ersten Verpflegung. Jetzt geht’s die 12 km lange Forststraße über 1000 Hm hoch zum Kitzbüheler Horn (1762m). Wieder Verpflegung fassen und dann die Straße abwärts ins Ziel. Brauchten heute 4:08 und waren so ganz unerwartet auf Platz 10 der 2. Etappe, sowie auch gesamt. Wir genießen noch lange die Sonne im Zielbereich und verpflegten uns.
6. September: 3. Etappe Kitzbühel (AUT) – Neukirchen am Großvenediger (AUT)               (39 km, 2260 Höhenmeter)
Heute ist schon um 7 Uhr Start! Puh! Aber im 1. Startblock A der TOP TEN der jeweiligen Teams. Noch im leichten Nebel geht es die Streif hoch zum Hahnenkamm (1668m) bis zur Spitze des Pengelsteins (1935m). Hier sind noch einige Schneereste und wir laufen über viel matschigen Untergrund, immer mal wieder rauf und runter, bis rüber zum Wildkogelhaus (2000m). Von hier geht es gut 1100 Hm hinab nach Neukirchen. Alois läuft immer schneller, vor allem begab und so kommen wir heute als 7. Master Team mit knapp 6 Stunden ins Ziel. In der Gesamtwertung Master sind wir bereits 6. und gehören nun zu den „Top 30. Teams“! Alois und ich kommen super klar, nur leider plagen ihn bereits Schmerzen an der Sehne am Schienbein, dies macht auch mir Sorgen.
7. September: 4.Etappe Neukirchen am Großvenediger (AUT) – Prettau/Ahrntal                 (43 km, 1970 Höhenmeter)
Heute ist der Startschuss für Italien, bereits um 7 Uhr geht’s, wie jeden Tag, mit dem Song von AC/DC „Highway To Hell“ los. Wir laufen über Radwege und Forststraßen ca. 12 km zu den Krimmler Wasserfällen, wo uns ein wunderbarer Aufstieg erwartet. Die Zeit vergeht sehr schnell! Oben angekommen, müssen wir wieder relativ flach 12 km laufen. Alois hat Schmerzen, sch…, hoffentlich wird es besser, wir müssen das Tempo etwas rausnehmen! Endlich, wir sind am Anstieg zur Birnlücke (2669m), ca. 1000 Hm liegen vor uns. Mit dem Wetter haben wir Glück, denn der angekündigte Regen bleibt aus, aber die Nebelschwaden verdichten sich mit zunehmender Höhe! Es wird immer kälter und auch der Wind wird stärker, immer wieder kommen kleine Schneefelder, oben begrüßt uns die Bergwacht! Hu! Hier pfeift der eiskalte Wind, bin immer noch kurzärmlig unterwegs. Nichts wie runter! Aber es staut sich vor uns, unsichere Läufer kleben an den schneeüberzogenen Felsen. Alois und ich scheren aus und laufen über den Schnee und am Fels vorbei! Mein Daumen ist schon ganz schee kalt, aber bald kommen wir zur Hütte. Hier gibt es warmen Früchtetee, wow, tut das gut! Wir laufen im Nieselregen über die nassen, rutschigen Felsen ins Tal. Alois gibt richtig Gas, so sind wir schnell unten! Wir überholen einige Läufer, sind richtig schnell. Jetzt noch 5 km relativ flach, Prettau kommt immer näher. Nach 5:32 Stunden kommen wir als 5. Master Team an. Wahnsinn!!! Heute ist Bergfest (Halbzeit), das wird noch richtig gefeiert. Es ist noch ein langer Abend im Womo.
8. September: 5.Etappe Prettau/Ahrntal (ST)- Sand in Taufers                                                (33 km, 1950 Höhenmeter)
Endlich mal ausschlafen, der Start ist erst um 8 Uhr. Heute ist gleich ein 3 km langer Anstieg, dann geht’s immer wieder runter und rauf, also nix mit gerader Forststraße, sondern schöne Pfade. Nach gut 8 km der zweite Anstieg zur Bretterscharte (2508m). Wir sind wirklich gut unterwegs, es macht richtig Spaß. Oben angekommen, heizen wir wieder runter zur Moosmaieralm, puh! Noch 400 Hm hoch, dann ab ins Ziel. Hab das Gefühl, Alois wird jeden Tag schneller. Dieser Gedanke bestätigt sich, denn wir kommen mit 4:32 Stunden als 3. an (5. Ges. Master / 25. Gesamt). Kann es kaum glauben, als der Sprecher dies bestätigt! Alois hört es erst gar nicht, ich sag zu ihm, dass wir 3. sind! Jäh, die Freude ist groß und ich stürze mich zum Abkühlen in den Brunnen. Am Abend sind wir schon etwas aufgeregt, denn heute dürfen auch wir bei der Tagessiegerehrung auf das Podium. Das ist ein super Gefühl und wir freuen uns total.
9. September: 6.Etappe Sand in Taufers – St.Vigil in Enneberg                                               (41 km, 1510 Höhenmeter)
Heute ist bereits um 7 Uhr Start, es geht auf eine relativ leichte, aber lange Etappe mit 41 km. Was wirklich schlimm ist, wir laufen über fast 25 km asphaltierten Radweg, bis wir zum Kronplatz (2275 m) aufsteigen. Auf der Strecke aufwärts unterhalte ich mich mit Moni, als ich plötzlich feststellte, dass Alois nicht mehr da ist! Bleibe erst stehen, dann laufe ich etwas runter und frage die anderen Teilnehmer. Dann die Nachricht von Simone, Alois hat extreme Schmerzen und kommt nur langsam voran. Ich laufe zurück bis ich ihn treffe. Wir sprechen eine Zeit lang und dann ist klar, er kann nicht weiter!! An beiden Beinen sind die Sehnen entzündet, jeder Schritt schmerzt wahnsinnig! Oh man, kann´s nicht glauben, aber es ist leider so. Sind beide total traurig, jetzt, wo es noch dazu so gut gelaufen ist! Ich renne so schnell ich kann hoch, denn ich habe vorher den Streckenarzt mit dem Rad getroffen und muss diesen nun einholen. Nach ca. 15 min bin ich bei ihm und er gibt über Funk Bescheid, damit Alois abgeholt wird. Ich beende die Etappe nach 4:31 Stunden und spiele mit dem Gedanken, aus dem Rennen zu gehen.
10. September: 7. Etappe St.Vigil – Niederdorf/Pustertal                                                        (42 km, 1980 Höhenmeter)
Start zur Marathonetappe ist um 8 Uhr! Ich habe mich entschlossen, nun doch weiterzulaufen, auch wenn´s mir schwerfällt ohne den Lois. Vom Start weg geht´s 11 km konstant steigend bis zur Pederuhütte (1545m), die ich nach 1 Stunde erreiche. Dann kommt eine steile Rampe, so richtig steil, über fast 800 Hm zur Senneshütte. Das Tempo ist hoch, laufe mit einer kleinen Gruppe zusammen. Vom Gipfel der Seekofelhütte (2327m) kommt ein ziemlich steiler Trail, ich lasse die Anderen hinter mir. 800 m tiefer komme ich an den super schön gelegenen Wildsee, den wir halb umrunden. Hänge immer noch voll am Gas, damit mein Puls nicht unter 150 Schläge kommt. Jetzt geht es noch mal richtig steil die Weißlahnerscharte hoch. Vor mir ist ein Herren-Team, das mit einem Seil verbunden ist. Der Vordere zieht und motiviert seinen Teamkameraden „schneller! Vorsicht“, usw. Aber der Hintere ist voll am Ende, verdreht schon die Augen und ist ganz käsig im Gesicht. Der Arme! Ich überhole im oberen Teil und lasse sie hinter mir. Nun kommt noch mal ein 1000 Hm tiefer Abstieg über eine „Sandreißn“! Macht richtig Spaß, jäh! Unten treffe ich, wie an den meisten anderen Tagen, auf Luis und Armin. Sie begleiten mich die letzten 5 km, die relativ gerade über Asphalt gehen, bis ins Ziel. Überhole noch einen einzelnen Läufer, bis ich nach 4:47 als 1. Individual Finisher ankomme. Schade, dass Lois nicht mit dabei war. Er begrüßt mich im Ziel und es geht ihm schon etwas besser, aber an Laufen ist nicht zu denken.
11. September: 8. Etappe Niederdorf/Pustertal- Sexten                                                               (33 km, 1270 Höhenmeter)
Um 8 Uhr starte ich zur letzten Etappe. Wir laufen fast 10 km bis zum ersten Anstieg auf die Lückelescharte (2545m). Die Zeit vergeht sehr schnell. Ich unterhalte mich mit Denis, bis ich dann am Berg mit einem anderen Einzelläufer zusammen den Weg zur Dreizinnenhütte (2405m) laufe. Das Panorama ist echt der Hammer. Hier an den Dreizinnen zu laufen ist schon was ganz Besonderes und dies bei dem top Wetter. Eigentlich müsste man sich hier in die Sonne setzen und die Aussicht genießen, aber es hilft nix! So laufe ich abwärts in Richtung Sexten. Fühle mich sehr gut und so gebe ich die letzten 5 km noch mal richtig Gas! Luis begleitet mich mit dem Rad und nach 3:36 Stunden bin ich endlich nach 8 Tagen und 310 km im Ziel. Jetzt wird erst mal richtig gefeiert und wir haben alle noch viel Spaß bei der Finisher Feier.
Am nächsten Morgen beginnt die Rückreise. Es fällt einem schon sehr schwer nach so einer erlebnisreichen, aber auch harten Woche, wieder ins normale Leben zu finden.
Für mich war es wieder ein super schönes Rennen mit vielen Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.
„Keep On Running“
 
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